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Leseprobe Tiefsee - Reise zu einem unerforschten Planeten

Nachstehend finden Sie einige Auszüge aus "Tiefsee - Reise zu einem unerforschten Planeten", Leo Ochsenbauer, Kosmos Verlag, 8/2012.

Auszüge aus den Vorworten:

"Lassen Sie sich in die Tiefen des Meeres entführen, wo sich der Großteil unserer Erde in ewiger Dunkelheit befindet, und denken Sie darüber nach, welche Rolle die Ozeane und die unterseeischen Landschaften in unserer Zukunft spielen könnten."
Dr. Robert D. Ballard, Tiefsee-Forscher und Entdecker der Titanic

"Ab einer gewissen Tiefe verschmilzt der Körper mit dem ihn umgebenden Wasser. Man wird eins mit dem Element Wasser und spürt nur mehr sich selbst – das aber ausgesprochen intensiv."
Herbert Nitsch, 32facher Weltrekordhalter im Freitauchen und der erste Freitaucher, der in die Tiefsee vorgedrungen ist

"Und am Rande dieser mythologischen Milchstraße kreist der kleine, blaue Planet, den wir liebevoll »Mutter Erde« nennen. Eigentlich ist der Name ein Widerspruch in sich selbst. Wie kann ein Planet, auf dem beinahe 75 Prozent der Oberfläche aus Wasser bestehen, »Erde« heißen? Da hat wohl jemand nicht wirklich nachgedacht. Auf den verbleibenden gerade mal 25 Prozent unseres Planeten tummeln sich über sieben Milliarden Angehörige der selbsternannten »Krönung der Schöpfung". Dass dieses enge Zusammenleben auf so wenig Platz dem Denken gelegentlich nicht zuträglich ist, kann man ja verstehen."
Leo Ochsenbauer, Autor und ein bisschen komisch


Wo beginnt die Tiefsee?
Nicht einmal die Wissenschaftler sind sich – wie so oft – einig, in welcher Tiefe der genaue Beginn der als Tiefsee bezeichneten Meeresgebiete exakt festgelegt werden soll. Für Geologen beginnt die Tiefsee im Gebiet der Schelfkante, die normalerweise bei 200 Meter Wassertiefe liegt, wobei es auch Ausnahmen gibt. So fängt die Tiefsee etwa in der Antarktis erst bei rund 500 Meter Wassertiefe an. Ozeanografen hingegen machen den Beginn der Tiefsee von der Wassertemperatur abhängig: Fällt die Temperatur unter 4°Celsius, was in etwa 800 bis 1.300 Meter Wassertiefe im Meer der Fall ist, gilt das Gewässer als Tiefsee. Plankton-Forscher lassen die Tiefsee gar erst in 1.000 Meter Tiefe beginnen. Marinebiologen wiederum sprechen beim Kontinentalhang unterhalb der Schelfkante, also bei rund 500 bis 1.000 Meter Wassertiefe, vom Beginn der Tiefsee.
Man sieht also – nicht nur, dass der Großteil der Weltmeere unerforscht ist, nicht einmal der Begriff Tiefsee ist hinreichend erforscht.

Auszüge aus der Rahmenhandlung des Buches:

Kapitel 1: Der Weg in die Tiefsee
Naturhistorisches Museum, Wien, kein Meer
Dienstag, 11.20 Uhr
»Der Pazifik wird die werten Herren (Damen waren damals bei solchen Expeditionen ganz und gar verpönt) aber wohl auch aus Nationalstolz angezogen haben«, erzählt Thomas, während er uns verschmitzt anlächelt. Was hat denn nun der Pazifik mit Österreich zu tun?
Unser Dauerstudent kommt jetzt in Fahrt. Langatmig erzählt er uns die Geschichte jener spanischen Jesuitenmönche, die im 17. Jahrhundert auf eine Inselgruppe im Pazifik kamen, um die Einheimischen zum katholischen Glauben zu bekehren. Als sie erfuhren, dass dieser Archipel vom Weltenbummler Ferdinand Magellan einst den unrühmlichen Namen »Inseln der Diebe« erhalten hatte, waren die ehrwürdigen Herren entsetzt. Zu Ehren ihrer vor kurzem erst gekrönten Königin Maria Anna von Österreich, der Witwe des Königs Philipp IV. von Spanien, beschlossen sie kurzerhand, die Inselgruppe auf »Inseln der Maria Anna« umzubenennen. Der einheimischen, indigenen Bevölkerung wird dies wohl ziemlich egal gewesen sein.
Aber so kam es, dass seit damals eine Ansammlung von 14 Inseln im Pazifik den Namen der Wienerin »Maria Anna« trägt – der Marianen-Archipel, rund 2.000 Kilometer vor den Philippinen und 2.500 Kilometer vor Japan. Hier, so erzählt uns Thomas weiter, liegt auch die tiefste Stelle der Weltmeere: der Marianengraben mit dem Witjas-Tief.

Kapitel 2: Hightech im Dienste der Menschen
Shaab Rumi, Rotes Meer, Indischer Ozean
Montag, 08.43 Uhr
Über uns sehen wir plötzlich eine große Öffnung, den Einstieg in die einstige »Garage«. Beim Hineintauchen kommt uns eine kleine Gruppe oranger Riffbarsche entgegen, die hier Zuflucht gesucht haben und sich nun wohl in ihrer Ruhe gestört fühlen. Im Inneren gibt es wenig zu sehen – der Zahn der Zeit hat bereits viel zu kräftig genagt. Dennoch beeindrucken die rundumlaufenden runden Löcher, durch die man eine großartige Rundumsicht auf die Rifflandschaft hat. Als wir unseren Blick weiter zur Decke des Habitats schweifen lassen, entdecken wir eine große Hartkoralle, die in der geschützten Umgebung zu einer beachtlichen Größe heranwachsen konnte.
In Gedanken versetze ich mich in jenen Sommer 1963 zurück, als Cousteau hier seinen 26. Hochzeitstag gefeiert hat und – in Champagnerlaune – Seemannslieder mit seinen Aquanauten gesungen hat. Exakt ein halbes Jahrhundert später singen hier maximal noch Riffbarsche und anderes Getier – was eben so in den Tiefen unserer Weltmeere kreucht und fleucht. Es ist dennoch überwältigend, eine technische Legende persönlich zu betauchen und dabei vor allem auch zu befühlen. Ohne diese Experimente von Cousteau und natürlich auch anderen Pionieren seiner Zeit, wären wir in der Erforschung der Tiefen unseres eigenen Planeten heute noch weitaus mehr zurück, als wir es ohnehin schon sind.

Kapitel 3: Das Leben im Abyss
GalMar Dock, Puntarenas, Pazifik
Donnerstag, 08.13 Uhr
Beim Pazifischen Feuerring handelt es sich, wie uns Ofer erklärt, um einen hufeisenförmigen Vulkangürtel, der sich über 40.000 Kilometer am Rande des pazifischen Ozeans erstreckt. Er verläuft der Feuerring aus entlang der südamerikanischen Küste Richtung Norden. Über Zentralamerika und Mexiko erstreckt er sich vor der Westküste der USA bis in den Süden Alaskas. Dort wendet er sich dann über die Inselkette der Aleuten nach Japan. Von dort geht es weiter, an den Philippinen und Indonesien vorbei über die südwestpazifischen Inseln bis Neuseeland.

Fast 90 Prozent aller Erdbeben weltweit ereignen sich innerhalb dieses Gebietes des Pazifischen Feuerrings, was aber auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass hier auch 90 Prozent der rund 1.500 aktiven Vulkane weltweit liegen. In dieser wahren Tiefsee-Hölle spielt sich Tag für Tag ein Drama für die einen und ein Paradies für die anderen ab. Vor allem die Umgebung von Tiefsee-Vulkanen bietet Lebensraum für Millionen von Lebewesen, die ohne diese heißen Quellen keine Überlebenschance in der Tiefsee hätten.

Kapitel 4: Von Wracks und riesigen Schätzen
Florida, USA, Atlantik
Donnerstag, 09.21 Uhr
Welcome to Miami! Nun sind wir also in der Stadt des großen Wassers, wie Miami ursprünglich von der indigenen Bevölkerung getauft wurde. Mayaimi, heutzutage angeblich das Rentnerparadies der USA. Von wegen. Bereits beim Verlassen des Mietwagenparkplatzes fühlen wir uns wie in einem schlechten amerikanischen Film. Dutzende dunkelhäutige »Gangsta Rapper« oder solche, die sich dafür halten, schlendern mit etlichen Damen, die in eine Art hauchdünnes Nichts gehüllt sind, in Richtung Flughafeneingang. Dass die »Gangsta« mit ihren in den Kniekehlen hängenden Hosen überhaupt einen Meter zurücklegen können, imponiert mir nun doch ziemlich.

Kopfschüttelnd steuern wir unseren weinroten Chevrolet Suburban zur Auffahrt auf die US1, den berühmten Overseas Highway, der die 40 Inseln der Florida Keys miteinander verbindet und schlussendlich am Ziel unserer Reise, Key West, endet. Mit einem sonoren Brummen des V6-Motors reihen wir uns in den Verkehr ein und gleiten in unserem zwei Tonnen schweren amerikanischen Traum in Richtung der versunkenen Schätze, die uns hier hoffentlich erwarten. Vorbei an Wegweisern, die Alligatoren-Safaris in den Everglades anbieten, führt unser Weg Richtung Süden. Eine kleine Linkskurve und eine Brückenüberquerung später hebt sich vor uns die Silhouette einiger niedriger Häuser gegen das grelle Sonnenlicht ab, das sich im blitzblauen Wasser des Atlantiks spiegelt. Key Largo, die erste Insel der langen Kette taucht vor uns auf.
Typisch amerikanisch reiht sich ein Schnellimbiss an den anderen, nur unterbrochen von Boots-Zubehörläden und Tauchschulen. Dazwischen bietet der ein oder andere Jagdartikelhändler sein umfassendes Warensortiment an. Welche Tiere mit einem Heckler & Koch HK7 Schnellfeuergewehr gejagt werden sollen, leuchtet mir zwar nicht ganz ein, aber man muss ja nicht alles verstehen. Ist es tatsächlich so, dass jeder Amerikaner seine obligate, absolut überdimensionierte US-Flagge vor der Haustür hängen und sein Schnellfeuergewehr im Schrank stehen haben muss?

Kapitel 5: Eine neue Dimension
Guam, Marianen-Archipel, Pazifik
Donnerstag, 19.11 Uhr
Hier sind wir nun also: Guam, Ausgangshafen etlicher wissenschaftlicher Expeditionen zum Marianengraben. Hier starteten bislang die wenigen Reisen zum tiefsten Punkt unseres Planeten. Was mag dieser Flughafen, der wie jeder andere typisch amerikanische Flughafen aussieht, wohl schon alles erlebt haben? Wir erleben jetzt jedenfalls einen mehr als gründlichen Einreisecheck.

Der obligatorische Fingerabdruckscan samt Schnappschuss unserer übernächtigten Gesichter ist uns ja bereits durch unsere Einreise in Florida bestens bekannt. Dass wir nun aber auch noch ein fast inquisitorisches Verhör über unseren Aufenthalt auf Guam über uns ergehen lassen müssen, überrascht mich nun doch etwas. Der uns verhörende Officer sieht ein bisschen aus wie Magnum, der gerade von Jabba Hutt aus »Krieg der Sterne« verschlungen wurde. Mehr als voluminös, schwitzend, aber mit einem gediegenen Schnauzbart unter der breiten Nase. So ganz will er uns nicht glauben, dass wir nur hier sind, um nähere Details über den tiefsten Punkt unseres Planeten zu erfahren.


Goodie des Autors:
Als besonderes Goodie für alle Leser, die meine Webseite besuchen, finden Sie hier die Geschichte der Tiefsee - ein Text, der es aus Platzgründen nicht in das fertige Buch geschafft hat.

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Was meinen andere?
"Warum ignorieren wir die Ozeane? Weil oben der Himmel und unten die Hölle ist?"
Dr. Robert Ballard, Tiefsee-Forscher

"Ich bin gespannt, was mich bei meinen neuen Weltrekorden in der Tiefsee erwartet – die Lektüre dieses Buches, für das ich das Vorwort schreiben durfte, hat mich zumindest mal ein bisschen auf diese Umgebung vorbereitet."
Herbert Nitsch, 32facher Apnoe-Weltrekordhalter

"Taucher aller Länder: Lest dieses Buch! Die beiden Autoren geben uns Süchtigen die Droge, die wir brauchen, und sind dabei witzig und informativ – und so sollen gute Sachbücher meiner Meinung nach auch sein."
Dirk Steffens, TV-Moderator

"Reinlesen ist Pflicht und das Buch dann dem Tauch-Buddy oder sich selbst schenken nur wärmstens zu empfehlen. Schon alleine wegen dem Spaß."
Gerhard Wegner, Sharkproject e.V.

"Die Autoren zeigen auf eindrucksvolle und amüsante Art und Weise Missstände auf und räumen mit lang gehegten Vorurteilen auf."
Dr. Erich Ritter, Haiforscher

"Dieses Buch vermittelt dem Publikum auf wundervolle und anschauliche Art und Weise Wissen über die Unterwasserwelt. Ich wünsche Ihnen entspannte Stunden beim Lesen dieses Buches!"
Umberto Pelizzari, Freitauch-Legende

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